Skeptische Randnotiz: Was sind eigentlich Fake News?

Marko KovicBlog1 Comment

Nur, weil uns etwas nicht gefällt, ist es nicht automatisch Fake News.

Der US-Präsident Donald Trump bezeichnet missliebige Berichterstattung gerne als „Fake News“.

In einer Studie der US-Amerikanischen Stiftung Knight Foundation von Januar 2018 wurde die US-Bevölkerung zu ihren Einstellungen unter anderem rund um das Thema „Fake News“ befragt1. Diese Studie hat einen recht erstaunlichen Befund zutage gefördert: Grosse Teile der amerikanischen Bevölkerung sind der Meinung, dass Berichterstattung in den Medien bereits dann Fake News ist, wenn ein Politiker oder eine politische Gruppe ganz wahrheitsgetreu kritisiert wird.

Bis zu 42% der US-Bevölkerung findet, dass wahrheitsgetreue Kritik „Fake News“ ist.

Das ist erstaunlich. Fake News meint im Wesentlichen, dass bewusste Falschnachrichten hergestellt werden, um die Öffentlichkeit damit zu täuschen, oder, wenn es sich um Satire handelt, sie zu unterhalten2 3. Wenn wir aber einfach nicht gern haben, was berichtet wird, obwohl die Inhalte wahrheitsgetreu sind, dann hat das recht offensichtlich nichts mit Fake News zu tun.

Warum sind offenbar so viele Menschen bereit, Inhalte, welche sie nicht gut finden, als Fake News abzustempeln? Ein wichtiger Grund dürfte der berühmte Confirmation Bias4 sein. Wir haben die Tendenz, das, was wir bereits glauben, auch weiterhin glauben zu wollen. Das Label „Fake News“ passt hier wunderbar: Wir können Argumente, welche vielleicht Zweifel wecken an dem, was wir glauben, einfach pauschal abtun als Fake.

Ein zweiter wichtiger Grund, warum Menschen normale News als Fake News betrachten, dürfte der sogenannte Ingroup-Bias5 sein. Wir haben die Tendenz, nach wie vor in Stammesdenken zu fallen: Unsere Grupppe, die Ingroup, ist besser als die Outgroup, also all die Leute, die nicht zu unserer Gruppe gehören. Wenn wir Argumente und Evidenz, welche uns zuwiderläuft, einstufen als etwas, was von der Outgroup stammt, dann können wir damit den Inhalt einfach ignorieren – es stammt ja von der Outgroup, welche pauschal schlecht ist.

Argumente und Evidenz als Fake News abzutun, bloss, weil wir inhaltlich nicht einverstanden sind, ist irrational. Mehr noch: Es ist gefährlich. Wenn wir nur Dinge, welche wir eh schon glauben, als wahr erachten und alles, was unserem bestehenden Glauben widerspricht, pauschal ablehnen, dann schaffen wir uns eine auf alternativen Fakten fussende Pseudo-Realität. Das mag sich eine Zeit lang gut anfühlen, aber solch irrationale Kartenhäuser stürzen früher oder später ein. Dabei wieder auf dem Boden der Realität anzukommen, kann schmerzhaft sein.

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References

  1. Foundation, Knight. 2018. “American Views: Trust, Media and Democracy.” Knight Foundation. Accessed January 22, 2018. https://knightfoundation.org/reports/american-views-trust-media-and-democracy.
  2. Allcott, Hunt, and Matthew Gentzkow. 2017. “Social Media and Fake News in the 2016 Election.” Working Paper 23089. National Bureau of Economic Research. https://doi.org/10.3386/w23089.
  3. Füchslin, Tobias. 2017. “skeptisCH – Folge 45: Die neue Medienkrise, Teil 1: Fake News.” Skeptiker Schweiz. January 18, 2017. https://www.skeptiker.ch/skeptisch-folge-45-die-neue-medienkrise-teil-1-fake-news/.
  4. Nickerson, Raymond S. 1998. “Confirmation Bias: A Ubiquitous Phenomenon in Many Guises.” Review of General Psychology 2 (2):175.
  5. Hewstone, Miles, Mark Rubin, and Hazel Willis. 2002. “Intergroup Bias.” Annual Review of Psychology 53 (1):575–604. https://doi.org/10.1146/annurev.psych.53.100901.135109.

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